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Wing Chun ist Kung Fu, das heißt eine Lebensschule zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit, Vermehrung der körperlich-geistigen Vitalität, Entwicklung von gesundem sozial-ethischem Verständnis durch wachsende Selbst- und Menschenkenntnis. Die Wissenschaft vom regellosen Zweikampf ist dabei der attraktive Rahmen für diese Lebensschule. Wing Chun ist reine Bewegungsökonomie zum Zwecke des Selbstschutzes. Selbstschutz bedeutet - defensiv verstanden - eine äußerst stabile und doch flexible Positionierung von Körper, Rumpf und Armen. Ziel ist es, bei entspannter Muskulatur große Kräfte wie Schläge, Tritte, Stöße und Griffe aufzunehmen und von Kopf und Rumpf fernzuhalten, gewissermaßen ab- oder umzuleiten. Selbstschutz bedeutet - aktiv verstanden - durch Konterattacken Wiederholungsversuche des Angreifers zu unterbinden. Die hierfür benötigte Kraft ist reine Bewegungsenergie, welche ihren Ursprung sowohl in der eigenen Körperschwerkraft, als auch in der absorbierten Angriffsenergie hat. Ein wesentliches Kriterium für die Art und Weise der Wing Chun Technik ist die relative Unabhängigkeit des Ausübenden von der Muskelkraft, Kondition, Größe und Masse des Angreifers. Wing Chun ist reine Bewegungsökonomie. Dies spiegelt sich auch im strategischen Verhalten wieder. Wing Chun Praktiker versuchen, wenn möglich, die Konterattacke zeitgleich zum Angriff und benützen dafür kurze direkte Wege zum Ziel. Um die Wahrnehmung und Koordination des Aggressors zu überfordern, werden dabei nicht nur empfindliche Ziele getroffen, sondern auch dessen Gleichgewicht entscheidend gestört. Wing Chun ist reine Bewegungsökonomie, was sich in der Körper-Armpositionierung, in der Kraftentfaltung und dem strategischen Vorgehen widerspiegelt. Physiologisch und mechanisch gesehen, gibt es jedoch eine große Vielfalt an körperlichen Zweikampfsituationen und somit auch vielfältige Varianten, die Positionsprinzipien und Strategieprinzipien im jeweiligen Fall zur Anwendung zu bringen. All diese Fallunterscheidungen sind im Wing Chun ausgesprochen detailliert, umfassend erforscht und kategorisiert. Ein Netzwerk aus Partnerübungen, vorbereitet durch spezifische Bewegungsformen, haben die Entwicklung folgender Fähigkeiten zum Ziel: Festigkeit des Körperstandes, perfekte Winkelstatik der Deckungsarme, Auflösen von Verkrampfungen und Bewegungsblockaden, optimale Kraftentfaltung in der Bewegung und zunehmende Sensibilisierung der Sinneswahrnehmung, also die Fähigkeit, Informationen zu "erspüren", um reflexartig im richtigen Moment nachzugeben oder vorzustoßen. So finden sich im Wing Chun ausgetüftelte Übungsmethoden wie z. B. die klebenden Hände (chi sao) zur Erfassung der gegnerischen Energiequalitäten und Druckrichtungen mit der Absicht, diese zu manipulieren. Schlag- und Trittzyklen (lat sao) zur Schulung der reflexartigen Anpassungsfähigkeit in der schnellen Bewegung. Holzpuppentraining (Mok Jan Chong Schule) zur Perfektionierung von Körper- und Armstellungen sowie Synchronisation beider Arme mit wechselnden Rumpfpositionen. Waffentraining zur Verbesserung der Schrittarbeit und dem Distanzgefühl, und vieles mehr. Durch das Streben nach Perfektion in der Vorbereitungsphase und die geforderte Wachheit und Intuition in der Kampfspielphase verändert sich der Schüler nach und nach. Fortgeschrittene Schüler werden in der Regel zunehmend friedvoll, emotional ausgeglichen, nervlich belastbar und ausgesprochen gut konzentriert. Sie sind eher bestrebt, die eigene Wut, versteckte Ängste, Neid und Eitelkeiten auszumerzen, als vermeintliche "Feinde" im sozialen Umfeld zu besiegen. Wenn auch ein "Fortgeschrittener" sich im Ernstfall überaus effektiv verteidigen kann, ist das Ziel des Übenden die Erkenntnis, das körperliche Gesundheit, psychische Stabilität, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit, Zielstrebigkeit, Disziplin, Neugier, Lebensfreude und Kreativität mit dem Erfolg im Kung Fu ursächlich in Wechselwirkung stehen. Dies ist die Faszination von "Kämpfen lernen" durch Kung- Fu-Üben.
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